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Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim

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((( Glockenschlag )))

Der aktuelle Wochenkommentar

04. Mai 2017

Zeit der Gegensätze

Leben wir in einer Zeit der Gegensätze? Ich vermute, dass es tatsächlich so ist. Schon lange ist bekannt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Wer arm ist hat die besten Voraussetzungen dafür, arm zu bleiben und wer richtig reich ist, hat große Chancen, auch reich zu bleiben. Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär wird eine Ausnahme bleiben.

Wir feiern immer mehr Feste - sind aber dafür im Alltag schlecht gelaunt. Wir lesen allerorten, dass es gesund ist, nicht so dick zu werden, aber das Durchschnittsgewicht von Erwachsenen und Kindern nimmt zu. Wir wissen, dass wir uns mehr bewegen sollen, fahren aber jeden Meter mit dem Auto. Auf dem Titelblatt einer Frauenzeitschrift kann auf der einen Seite ein Artikel über eine neue Diät angekündigt sein und daneben stehen die besten Tortenrezepte, einem Artikel über die schönsten Kreuzfahrten folgt ein Artikel über das Pilgern auf dem Jakobsweg. Das sind tatsächlich oft Gegensätze. Jedem das Seine, mag man denken, wir können uns ja entscheiden. Und auf der Titelseite sind solche Gegensätze auch ganz friedlich nebeneinander zu sehen. Ich betrachte das mit einem inneren Lächeln. Denn im realen Leben geht es oft nicht mehr so friedlich zu. Für jeden zählt nur noch die eigene Lebensweise.

Im Sport beschimpfen sich die sportlichen Gegner und deren Fans, als wären sie miteinander persönlich verfeindet. Noch vor einigen Jahren hat man dazu "unsportliches Verhalten" gesagt. Politische Standpunkte werden nicht mehr diskutiert - es werden nur noch Behauptungen aufgestellt, die dann möglichst vehement und lautstark vertreten werden. Es geht nicht darum, möglichst gute Entscheidungen zu treffen, sondern darum, wie man dem anderen eins auswischen kann. Die ersten hundert Tage des amerikanischen Präsidenten sind geradezu ein Lehrstück dafür, wie man mit Behauptungen auf Stimmenfang gehen kann. Tatsachen werden einfach umgedreht in der Überzeugung, dass schon irgendetwas davon hängenbleiben wird. In Frankreich, England, Deutschland sind diese Phänomene inzwischen genauso zu sehen bis hinunter in die kommunale Ebene. Und die Vereinigten Staaten zeigen uns, dass dieses Verhalten im Wahlkampf auch nach der Wahl weiter kultiviert wird. Das geht nicht spurlos an einer Gesellschaft vorbei. Bei Mode oder Gesundheitsbewusstsein kann man noch denken: Jedem das Seine. Aber schon die Extreme im Sport zeigen uns, wie schnell die Grenze zum Fanatismus überschritten werden kann und Menschen nicht mehr unterscheiden wollen, worum es eigentlich geht. Wie schnell wird ein ganzes Land tief gespalten, wenn alle demokratischen Spielregeln außer Kraft gesetzt werden und eine Wahl oder ein Referendum als einziges Kriterium von Demokratie übrig bleiben? Dann werden nur noch die Gegensätze gepflegt. Das gesellschaftliche Miteinander geht verloren. Eine andere Meinung wird nieder gebrüllt, verboten, in Verruf gebracht oder lächerlich gemacht. Ehrliche Argumente haben keinen Wert mehr. Sie werden nicht einmal mehr angehört. Ich befürchte, dass die Gegensätze auf diese Weise nur noch größer und die Gräben noch tiefer werden und ich frage mich, wie wir als Gesellschaft wieder zusammenwachsen können.

Wir werden die Gegensätze unserer Zeit nicht abschaffen können, aber vielleicht können wir lernen, sie als eine Vielfalt zu verstehen, die auch miteinander funktionieren kann. Jemand, der anderer Meinung ist, muss nicht gleich ein Gegner sein. Wir müssen wieder lernen, ehrliche Kompromisse zu schließen, eine andere Meinung nicht mit Verachtung zu strafen, sondern als Denkanstoß zu verstehen. Besonders Feste bieten die Möglichkeit, miteinander zu feiern, auch wenn wir unterschiedlich sind und auch unterschiedliche Meinungen haben.

In unserem Land haben wir die Kirchen, die Vereine, die ihre Interessen in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen und gleichzeitig aber auch Menschen über bestehende Barrieren hinaus ansprechen. Inzwischen sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht nur Menschen aus fremden Kulturen, sondern auch Menschen aus unserer Kultur mit fremder Denkweise integrieren müssen. Erst dann werden wir gut gemeinsam leben können in einer Zeit der Gegensätze mit einer bereichernden Vielfalt. Ich hoffe, viele sind bereit, sich darauf einzulassen.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Pfr. Klaus Gottschlich

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Weitere Infos:

Klaus Bastian

Klaus Bastian
Pfarrer

Keltenweg 8
65474 Bischofsheim

Tel.: 06144-42872
Email: siehe Kontakt

Seit 1983 Pfarrer in Bischofsheim und zur Zeit mit den Schwerpunkten Öffentlichkeitsarbeit, Kindergottesdienst und Diakonie betraut.

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