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((( Glockenschlag )))

Der aktuelle Wochenkommentar

06. April 2017

"Suchet der Stadt Bestes!"

Diesen Ratschlag gab einst der Prophet Jeremia seinen im Exil lebenden Landsleuten in Babylon, die offenbar vor allem mit Jammern und Klagen beschäftigt waren. Das klingt sehr einfach, ist es aber nicht, denn Suchen kann sehr mühsam sein, kann dauern und braucht deshalb Geduld. Genau an der hapert es sehr oft. Wer kennt nicht den Kindersatz "Ich weiß nicht, wo ich suchen soll!", mit dem die Ungeduld oder auch die Bequemlichkeit kaschiert werden soll? Beim Suchen müssen Scheuklappen abgelegt werden, damit man auch an den Stellen sucht, die einem erst einmal sehr unwahrscheinlich erscheinen. Und es braucht Gründlichkeit, damit nichts übersehen wird.

"Suchet der Stadt Bestes!", der Satz hat auch in Wahlkampfzeiten Hochkonjunktur, schließlich behaupten ja fast alle Wahlkämpfenden von sich, das Beste bereits gefunden zu haben und nun nur noch eine Mehrheit dafür zu suchen. Und wenn sie die gefunden haben, dann lautet ihr Amtseid ganz ähnlich - der Stadt oder des Landes Bestes zu suchen und Schaden abhalten zu wollen.

Ob genau das aber ohne die Bereitschaft weiter zu suchen gelingt, ist sehr die Frage. Die gegenwärtige Weltlage spricht nicht sehr dafür. US-Präsident Trump, der im Wahlkampf vollmundig versprach schon für alles die Beste Lösung gefunden zu haben, fällt genau dies zur Zeit gewaltig auf die Füße: Mit seinem Einreisestopp und dem Umbau des Gesundheitssystems ist er schonmal gescheitert und mit seiner Klimapolitik könnte es ihm genauso ergehen. Wer in dieser Welt und der Zukunft braucht noch groß Kohle - außer ein paar veralteten Kraftwerken? Woher also sollen die vielen Bergarbeiterjobs und ihr ungeheurer Reichtum kommen, den Trump ihnen versprochen hat? Tatsächlich geht es doch wohl eher darum, dass die Ölkonzerne ungehindert weiter Fracking betreiben können. Schließlich sitzt ja ein ehemaliger Ölboss in seiner Regierungsmannschaft.

Und in Großbritannien, wo man jahrzehntelang die EU für alle Probleme und Übel verantwortlich machte, die Vorteile aber stillschweigend genoss, da muss sich erst noch zeigen, ob zum Beispiel die eigenen Fanggründe - wenn man sich mit Brüssel denn über deren Grenzen einigen kann - den englischen Fischern tatsächlich weiter helfen, angesichts der Tatsache, das 60 % des Fanges aufs europäische Festland exportiert wurde. Was wird ein höherer Fang bringen, wenn man ihn angesichts von Zollschranken und Einfuhrbestimmungen nicht mehr vermarkten kann? Und was von Großbritannien angesichts der drohenden Abspaltung Schottlands und dem Wiederaufflammen des Nordirlandkonfliktes am Ende noch übrig bleibt, darf mit Sorge abgewartet werden. Die Suche nach dem Besten für das Vereinigte Königreich, wie für die EU dürfte alles andere als einfach werden und mit den gegenwärtigen Scheuklappen kaum von Erfolg gekrönt sein.

Nein, die einfachen Lösungen sind eben nicht das "Beste", auch wenn es uns noch so oft versprochen - oder besser - vorgegaukelt wird. Lange Zeit postulierte der Wirtschaftsliberalismus freien Handel und Wettbewerb als die beste Lösung für allgemeinen Wohlstand und Qualität. In der Folge wurden fast alle Lebensbereiche diesen Kriterien unterworfen, obwohl im Bereich Umweltschutz schon länger klar war, dass das nicht funktioniert. Inzwischen hat uns auch die Finanzwirtschaft gezeigt, zu welchen Exzessen und damit eben schlechten Lösungen das führen kann. Die lokale Landwirtschaft überlebt diesen Wettbewerb oft nur dank hoher Subventionen, aber auch die - das wird immer deutlicher - sind keine wirklich gute Lösung. Und Gesundheit und Pflege ächzen inzwischen unüberhörbar unter dem Druck "rentabel" (= "Gewinn bringend" im Sinne der Ökonomie, nicht der Patienten = "lohnend") sein zu müssen.

Es mag ja sein, dass freier Handel und Wettbewerb in bestimmten Bereichen eine gute Lösung sind, aber sie sind ganz gewiss nicht der berühmte Deckel, der auf jeden Topf passt. "Suchet der Stadt Bestes!", das hieße doch offensichtlich nach differenzierteren Lösungsmodellen zu suchen, hieße - um im Bild zu bleiben - den Topf und nicht den Deckel ernst zu nehmen.

Und was sich in vielen Bereichen zeigt, das gilt doch auch für die privaten Probleme und Konflikte. Wer da bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit gebetsmühlenartig die altbekannten Positionen und Urteile herunter betet, der findet alles, nur nicht der Beziehung Bestes. Nein, es ist schon so: Suchen braucht Geduld, braucht die Bereitschaft auch dort nach Lösungen zu suchen, wo man sie nicht vermutet (zum Beispiel bei sich selbst). Aber Suchen hat auch eine Verheißung, die Verheißung das Beste auch zu finden. "Suchet, so werdet Ihr finden!", verheißt Jesus - vielleicht nicht immer genau das, was ihr sucht, aber vielleicht ja etwas sehr viel Besseres!

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Pfr. Klaus Bastian

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Klaus Bastian

Klaus Bastian
Pfarrer

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Seit 1983 Pfarrer in Bischofsheim und zur Zeit mit den Schwerpunkten Öffentlichkeitsarbeit, Kindergottesdienst und Diakonie betraut.

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