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Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim

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Kleines Lexikon zu Kirche & Glauben

Buchstabe K:

Kanzel

Die Kanzel ist der Ort, von dem aus im Gottesdienst die Predigt gehalten wird. Sie hat ihren Namen von den Schranken (lateinisch = cancelli, die vor allem in romanischen Kirchen den Altarraum vom Kirchenschiff trennten.

Diese Trennung hängt mit der Symbolik des Kirchenraumes zusammen, in der der Altarraum symbolisch für den Bereich des Himmels steht und das Kirchenschiff für die erlöste Welt. Besonders eindrücklich ist diese Unterscheidung noch in orthodoxen Kirchen mit ihrer Ikonostase zu sehen. Alte romanische Kirchen betonen den Unterschied durch einen deutlich erhobenen Altarraum, wie zum Beispiel im Dom zu Speyer.

Diese Schranken sind aber nicht zu verwechseln mit den Lettnern, die vor allem in Kloster- und Stiftskirchen den Andachtsraum der Kleriker von dem der Gemeinde trennt. Vor dem Lettner steht meistens noch ein weiterer Altar für den Gemeindegottesdienst.

Da die Predigtstätten ursprünglich oft an oder über den Schranken Aufstellung fanden, übernahmen sie auch deren Namen. Die Kanzelbrüstungen sind oft mit Darstellungen der Evangelisten oder ihrer Symbole, oder anderer biblischer Autoren geschmückt.

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Karwoche

Mit Karwoche wird die Woche vor Ostern bezeichnet. Die Vorsilbe "Kar" stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet "Klage, Trauer" Es erinnert damit an die Leidensgeschichte Jesu.

Zur Karwoche gehören der Palmsonntag, der seinen Namen von dem Evangeliumsbericht über den Einzug Jesu in Jerusalem hat (siehe auch: Palmsonntag) , der Gründonnerstag (von "gronen" = weinen), an dem der Einsetzung des Abendmahles gedacht wird, und der Karfreitag, der der Kreuzigungstag ist. Die Karwoche wird durch den Karsamstag beschlossen, der zwar der letzte Tag vor dem Osterfest ist, deshalb aber nicht - wie oft fälschlich angegeben - Ostersamstag heißt, sondern - da er eben auf den Karfreitag folgt und Teil der Karwoche ist, ebenfalls die Vorsilbe "Kar" trägt, was auch der biblischen Erzähltradition entspricht:

So heißt es beim Evangelisten Lukas am Schluss des Berichtes über die Grablegung Jesu ausdrücklich: "Und den Sabbat über waren sie still nach dem Gesetz." (Lukas 23,56). Übereinstimmend erzählen dann alle vier Evangelien, dass die Frauen am Morgen nach dem Sabbat, bzw. am ersten Tag der Woche losgingen, um den Leichnam Jesu zu salben, aber das Grab leer fanden. Dementsprechend wurde schon ab dem 2. Jahrhundert dieser Tag als Tag der Grabesruhe Jesu begangen.

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Kerb / Kerbtermin

Mit "Kerb" wird vom Saarland über die Pfalz, Rhein- und Südhessen bis hin in Teile Frankens das Kirchweihfest bezeichnet, das in Bischofsheim als großes Straßenfest rund um die evangelische Kirche am ersten Septemberwochenende über drei Tage gefeiert wird.

Traditionel heißt es eigentlich "Aegidius legt die Kerb". Damit ist der Gedenktag des Heiligen Aegidius von St. Gilles gemeint, einem der 14 Nothelfer, dessen Todestag der 1. September ist. Die Bischofsheimer Kerb findet demnach am ersten Wochenende nach dem 1. September statt. Tatsächlich aber führt dies immer dann zu Schwierigkeiten, wenn der 1. September auf einen Sonntag fällt. Dann nämlich müsste die Kerb um eine Woche verschoben werden, was aber mit den Terminplänen der Schausteller kollidiert, so dass sich die Regelung mit dem 1. Septemberwochenende inzwischen durchgesetzt hat.

Warum die Bischofsheimer Kerb sich an dem Aegidiustag orientiert ist nicht überliefert. Zwar spielte dieser Tag bei der Übergabe einer früheren Bischofsheimer Kirche an den St. Viktor-Stift in Mainz-Weisenau im 13. Jahrhundert eine gewisse Rolle, von der Weihe eine Kirche auf den Namen des Nothelfers ist aber nirgendwo etwas berichtet. Möglicher Weise ist der Kerbtermin auch gar nicht so alt, sondern man legte die Kerb auf diesen Tag, weil er allgemein als Termin für Volksfeste sehr beliebt war.

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Kirche

Zwar haben auch viele evangelische Kirchen in Gestalt und Ausstattung eine tiefere Symbolik, durch die sie sich als besonderen, "heiligen" Raum ausweisen, nach evangelischem Verständnis ist die Kirche aber vor allem der Versammlungsort der Gemeinde. Gott bindet sich nach reformatorischer Überzeugung nicht an Räume, sondern an Menschen. "Heiliger Raum" ist die Kirche, wenn dort Menschen zum Gottesdienst versammelt sind, gemäß der Zusage Jesu:

Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Außerhalb des Gottesdienstes ist die Kirche also ein eher profaner Raum, wenn er auch durch sein Äußeres immer wieder auf die christliche Botschaft hinweist. Aus diesem Grund wurden in früheren Jahrzehnten auch immer wieder Gemeindezentren mit sogenannten Multifunktionsräumen gebaut, in denen sowohl Gottesdienst stattfinden konnte, als auch andere Gemeindeveranstaltungen. Das ist übrigens auch der Grund, warum evangelische Kirchen außerhalb des Gottesdienstes häufig geschlossen sind.

Das protestantische Verständnis unterscheidet sich hier deutlich vom katholischen. Der Grund liegt u.a. im unterschiedlichen Abendmahlsverständnis. Während nach evangelischem Verständnis Brot und Wein im Vollzug des Mahles Symbole des Leibes und Blutes Christi sind, bleiben nach katholischem Verständnis die einmal vom Priester konsekrierten Hostien und Wein Leib und Blut Christi und die Hostien werden in der Kirche im Tabernakel aufbewahrt. Zum Zeichen der "leibhaftigen" Anwesenheit brennt deshalb in einer katholischen Kirche auch das "ewige Licht".

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Kirchenfenster

Ihre erste große Blüte erlebten die Kirchenfenster in der Zeit der Gotik. Noch in der Zeit der Romanik waren die Fenster klein, der Lichteinfall in die Kirchen gering. Das änderte sich von grundauf mit der neuen Architektur: die Wände wurden aufgebrochen, riesige, filigran gestaltete Fensterflächen und Rosetten ließen das Sonnenlicht in die Kirche, vielfältig gebrochen durch das bunte Glas, mit dem biblische Geschichten, Heiligenlegenden oder Personen aus der biblischen und kirchlichen Tradition dargestellt wurden.

Dabei war die Vielfarbigkeit nicht nur Mittel der bildlichen Darstellung, sondern wurde auch ganz bewusst eingesetzt. Das damit erzeugte farbige Licht sollte an kostbare Edelsteine, Symbole für die Herrlichkeit Gottes, erinnern:

Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. (Offenbarung 21, 10-11)
Wie überhaupt die Vorstellung von dem himmlischen Jerusalem im Kirchenbau der Gotik eine wichtige Rolle spielte.

Reformation und Aufklärung sorgten dann dafür, dass die Kirchenfenster wieder zu reinen Lichtquellen wurden, barocke Kirchen, in ihrem Innern oft mit umfangreichem Schnitzwerk und ausladenden Bildern geschmückt, haben in den Fenstern nur ungetöntes Glas.

Eine Renaissance erlebten die Kirchenfenster mit dem Neoklassizismus des 19. Jahrhunderts, als viele verloren gegangene Fenster ersetzt oder auch restauriert wurden und die Traditon der Gotik neu belebt wurde. Auch Jugendstil und die Moderne haben der Gestaltung von Kirchenfenstern wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet, berühmt sind die Kirchenfenster Marc Chagalls in zahlreichen europäischen Kirchen und Kathedralen mit ihren Darstellungen biblischer Geschichten und Symbole.

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Kirchenjahr

Im Gegensatz zum Kalenderjahr rechnet das Kirchenjahr nicht in Tagen, sondern in (kirchlichen) Sonn- und Feiertagen; außerdem beginnt es am 1. Advent.

Ähnlich wie die Jahreszeiten im Kalenderjahr, so ist auch das Kirchenjahr in drei große Zeiten eingeteilt:

Zum Weihnachtsfestkreis gehört zunächst die vierwöchige Adventszeit, dann das Weihnachtsfest selbst und schließlich das Epiphaniasfest und die Sonntage nach Epiphanias. Je nachdem, auf welchen Wochentag der 1. Weihnachtstag (25.12.) fällt, können der vierte Advent und Heiligabend zusammenfallen, da der Heiligabend nicht als eigenständiger Feiertag gilt, sondern als Beginn des Weihnachtstages. Nach biblischer Tradition beginnt der Tag nämlich mit dem Abend: "Und es ward Abend und Morgen..." (1. Mose 1).

Zwischen Weihnachten und Epiphanias können sich bis zu zwei Sonntage nach Weihnachten schieben. Silvester und Neujahr werden zwar gottesdienstlich begangen, haben aber für den Ablauf des Kirchenjahres keine Bedeutung. Die Anzahl der Sonntage nach Epiphanias richtet sich nach dem Ostertermin: Liegt Ostern früh im Jahr, gibt es wenige Sonntage nach Epiphanias, liegt Ostern spät, gibt es entsprechend mehr (bis zu 6 Sonntage).

Der Osterfestkreis beginnt mit den drei Sonntagen vor der Passionszeit und der eigentlichen Passionszeit, die sieben Sonntage, sowie die Feiertage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag umfasst. Nach den beiden Ostertagen folgen die sieben Sonntage nach Ostern:

Vierzig Tage nach Ostern, also zwischen Rogate und Exaudi wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Der Osterfestkreis schließt mit dem Pfingstfest.

Die Trinitatiszeit beginnt mit dem Sonntag Trinitatis. Danach folgen bis 24 Sonntage nach Trinitatis. Die Trinitatiszeit gehört ebenso wie die Epiphaniaszeit zu den sogenannten ungeprägten Zeiten im Kirchenjahr. Ihre variable Länge bildet den zweiten "Puffer" im Kirchenjahr, mit dem die möglichen Verschiebungen des Ostertermins aufgefangen werden.

In der Trinitatiszeit liegt das Erntedankfest. Der Termin kann regional verschieden sein, meistens aber ist es der Sonntag nach dem Michaelstag (29.09.). Das kann also der erste Sonntag im Oktober, manchmal auch letzter Septembersonntag sein. Außerdem begeht die evangelische Christenheit am Ende der Trinitatiszeit den Reformationstag (31.10.), der an den Beginn der Reformation durch den Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 erinnert.

Das Kirchenjahr endet mit den drei letzten Sonntagen im Kirchenjahr und dem Buß- und Bettag, der jeweils am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeitssonntag begangen wird. Mit dem Ewigkeitssonntag schließt sich der Kreis, denn es geht an diesem Tag um Gottes Zukunft mit seiner Schöpfung und um die Wiederkunft Christi, die auch Thema der nachfolgenden Adventssonntage ist.

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Kirchensteuer

Die Kirchensteuer wird in der Bundesrepublik Deutschland prozentual zur Lohn- bzw. Einkommenssteuer erhoben. Wer also keine Lohn- bzw. Einkommenssteuer zahlt, zahlt auch keine Kirchensteuer. Das sind zur Zeit etwa 60% aller Kirchenmitglieder.

Die Kirchensteuer wird von den staatlichen Finanzämtern eingezogen, was diese sich allerdings auch vergüten lassen. Dennoch ist dieses Verfahren für die Kirchen das effizienteste und preiswerteste.

Von den Kirchensteuereinnahmen werden vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezahlt, die für andere Menschen da sind. Rund 75 Prozent der Haushaltsmittel gehen in die Kosten für das Personal. Das sind in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Beispiel die Löhne für über 2.000 PfarrerInnen und etwa 12.000 Angestellte, darunter GemeindepädagogINNen, KirchenmusikerInnen, SozialarbeiterInnen u.a.

Auch die Diakonie und die kirchlichen Kindergärten bekommen Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln. Im diakonischen Bereich sind 16.000 Menschen allein im Raum der hessen-nassauischen Kirche hauptamtlich beschäftigt. Dank der Kirchensteuer gehören die beiden großen Kirchen in Deutschland zu den bundesweit größten Arbeitgebern.

Nicht ganz richtig ist übrigens die immer wieder geäußerte Behauptung, es gäbe die Kirchensteuer nur in Deutschland. Auch in der Schweiz etwa gibt es eine Kirchensteuer, deren Einzug aber von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt ist. In Österreich ziehen die Kirchen auf Grundlage eines staatlichen Gesetzes selbst Beiträge ein. Der Beitragssatz beträgt 1,5 Prozent des vorjährigen Einkommens. Ausstehende Beiträge können vom Staat vor dem Zivilgericht eingeklagt und durch den Gerichtsvollzieher eingetrieben werden. Übersehen wird auch häufig, dass es in mehreren europäischen Ländern eine sogenannte Kultursteuer gibt, die bei Kirchenmitgliedern der jeweiligen Kirche zugeführt wird, bei konfessionslosen SteuerzahlerInnen staatlichen Aufgaben zufließt. In einer Reihe weiterer europäischer Länder gibt es nach wie vor Staatskirchen. Hier werden die Beschäftigten der Kirche vom Staat bezahlt. Entsprechend groß ist auch in der Regel der Einfluss des Staates auf die Kirche. Dieses Modell wollte nach den Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus niemand mehr in Deutschland.

Im Rahmen der Steuererklärung kann übrigens die Kirchensteuer als Spende abgesetzt werden, wodurch sich die tatsächlichen Mehrausgaben aufgrund der Kirchensteuer oft erheblich reduzieren. Schließlich gibt es auch die Möglichkeit der der sogenannten Kirchensteuerkappung. Die Kirchen können Kirchensteuer stunden, erlassen und erstatten. Zuständig sind hierfür die jeweiligen Finanzabteilungen der Landeskirchen.

siehe auch: Geld

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Kollekte

Damit wird die Geldsammlung während oder nach einem Gottesdienst bezeichnet. In unserer hessen-nassauischen Kirche beschließt die Kirchensynode jedes Jahr, wofür die Kollekten jedes Sonntags verwendet werden. Etwa die Hälfte der sonntäglichen Gottesdienstkollekten werden als "Pflichtkollekten" für gesamtkirchliche Aufgaben, wie Brot für die Welt, das Diakonische Werk, Jugendarbeit, etc. verwendet. Diese Kollekten werden an den jeweiligen Sonntagen im gesamten Kirchengebiet für den gleichen Zweck gesammelt. Der andere Teil sind sogenannte "freie Kollekten", über deren Verwendung der jeweilige Kirchenvorstand entscheidet.

In manchen Gemeinden wird sowohl während des Gottesdienstes, als auch am Ausgang um eine Kollekte gebeten. Eine davon ist immer für die Arbeit der jeweiligen Gemeinde bestimmt.

Außer in den Sonntagsgottesdiensten wird auch in den Sondergottesdiensten, wie Andachten oder Traugottesdienste um eine Kollekte gebeten, deren Zweck in der Regel für die Arbeit der jeweiligen Kirchengemeinde bestimmt ist. Der Kirchenvorstand kann den genauen Zweck festlegen.

Mancherorts wurden auch bereits sogenannte "Kollektenbons" eingeführt. Sie ermöglichen sozusagen die bargeldlose Kollekte: Die Bons können - meistens zu unterschiedlichen Beträgen - im Pfarrbüro erworben werden. Über den Gesamtbetrag wird außerdem eine steuerlich abzugsfähige Spendenquittung erstellt. Dann können die Bons für die gottesdienstliche Kollekte verwandt werden. Die Bon-Beträge werden von der Kirchengemeinde entsprechend den Bestimmungszwecken zugeführt.

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Kollektengebet

Mit der gottesdienstlichen Geldsammlung gar nichts zu tun hat das sogenannte Kollektengebet, ein Gebet, das im Erwachsenengottesdienst die Eingangsliturgie abschließt. In ihm geht es um die Sammlung der Gedanken vor der/den anschließenden biblischen Lesung/en und der Predigt.

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Konfession

(von alt. confessio = Bekenntnis) Damit werden im Unterschied zu den verschiedenen Religionen wie Christentum, Judentum, Islam, usw., die verschiedenen Bekenntnisse innerhalb einer Religion bezeichnet. Im Christentum sind dies vor allem die unterschiedlichen evangelischen Bekenntnisse (lutherisch, reformiert, uniert, methodistisch, baptistisch), katholisch und orthodox.

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Konfirmation

Siehe hierzu die Ausführungen auf unserer Seite "Amtshandlungen"

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Kreuzeszeichen

Die Geste, das mit der Hand über Stirn, Brust zur linken und rechten Schulter ein Kreuz geschlagen wird, ist vor allem aus dem katholischen Bereich bekannt, wo Gläubige beim Betreten der Kirche oder an bestimmten Stellen der Liturgie sich auf diese Weise bekreuzigen.

Martin Luther hat die Selbstbekreuzigungen im Gottesdienst weitgehend abgeschafft, sie aber zum Beispiel in seinem Morgen und Abendsegen beibehalten. Anders Johannes Calvin, der das Kreuzeszeichen nicht als unbliblisch ablehnte, sondern darin sogar Aberglauben am Werk sah. Denn das Kreuzeszeichen diente ursprünglich auch der Abwehr des Bösen. Luther versteht das Kreuzeszeichen hingegen eher als Segensgeste und Zeichen der Zugehörigkeit zu Jesus Christus.

Deshalb behielt Luther zum Beispiel die Bezeichnung des Täuflings mit dem Kreuz innerhalb der Taufliturgie ausdrücklich bei. Mit dem Kreuzeszeichen wird der Täufling quasi Christus übereignet und ihm die Zuwendung Gottes sichtbar zugesprochen.

Neben der Taufe begegnet das Kreuzeszeichen im evangelischen Gottesdienst auch im Zusammenhang der unterschiedlichen Segnungen, beim Tauf-, Konfirmations- und Trausegen, bei der Aussegnung eines Verstorbenen und beim Schlusssegen im Gottesdienst.

Damit ist das Kreuzeszeichen im evangelischen Gottesdienst eng mit dem (Segens-)Zuspruch an einen anderen Menschen verknüpft, hingegen die Selbstbekreuzigung (und damit auch Selbstsegnung) eher ungebräuchlich. Dies entspricht auch voll und ganz reformatorischem Denken, demzufolge die Zuwendung Gottes an den Menschen ja ganz und gar ohne eigenes Zutun geschieht.

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Krippenspiel

Die heutigen Krippenspiele gehen auf die Weihnachtsspiele des Mittelalters zurück, in denen oft der ganze theologische Zusammenhang vom Sündenfall bis zur Erlösung durch die Geburt Christi dramatisch in Szene gesetzt wurden.

Einen entscheidenden Impuls erhielt das Krippenspiel durch Franz von Assisi, der die Aufführung des Weihnachtsspiels in den Wald verlegte und lebendige Tiere mitwirken ließ.

Martin Luther lehnte solche Weihnachtsspiele zunächst ab, sorgte dann aber einerseits für ihren bestand im evangelischen Bereich und andererseits für eine "Verjüngung" der Mitspieler, in dem er Aufführungen durch die Schuljugend anregte und den Spielen damit zugleich auch eine religionspädagogische Ausrichtung gab.

Dieser Tradition sind die Krippenspiele in evangelischen Kirchen auch heute noch verpflichtet und werden mehrheitlich von Kindergruppen, Kindergottesdienstkindern, Konfirmanden oder Jugendgruppen aufgeführt. Neben den klassischen Krippenspielen, die sich in Szenenfolge und Inhalt stark an den biblischen Vorlagen im Lukas- (Verkündigung des Engels an Maria, Herbergssuche, Verkündigung an die Hirten, Anbetung der Hirten) und Matthäusevangelium (Zug der Weisen zur Krippe) orientieren, gibt es auch eher thematisch ausgerichtete Spiele, bis hin zu reinen Sprechmotetten. mehr...

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Kurrende

Die Bezeichnung kommt vom lateinischen "currere" (= laufen) und meint ursprünglich einen aus bedüftigen Schülern der Lateinschulen bestehenden Chor, der unter Anleitung eines älteren Schülers (Präfekten) an Wochentagen morgend oder abends in den Straßen sang und dafür Spenden entgegen nahm. Auch Amrtin Luther gehörte während seiner Schulzeit in Eisenach der Currende an.

Neben dem Straßensingen übernahmen die Kurrenden auch den (meist einstimmigen) Gesang bei Wochengottesdiensten, Beerdigungen oder anderen Gelegenheiten. Die Tradition geht bis ins Mittelalter zurück, wo die Kurrenden oft auch an Prozessionen beteiligt waren. Die heutigen katholischen Sternsinger-Aktionen knüpfen noch an diese Tradition an.

Eine neue Blüte erreichte das Kurrendewesen im 19. Jahrhundert, als die Kurrendesängerinnen und -sänger aber nicht mehr für Geld, sondern im volksmissionarischen Dienst unterwegs waren. Diese Tradition hat sich insbesondere in Thüringen und Sachsen erhalten, meistens jedoch auf das Singen von entsprechendem Liedgut in der Weihnachtszeit konzentriert. Das weihnachtliche Singen zielt vielerorts auf ältere oder kranke Menschen, die nicht mehr an die kirchlichen Angeboten teilnehmen können. Besonders bekannt geworden sind die Currendesänger durch die geschnitzten oder gedrechselten Figuren aus dem Erzgebirge.

Aber nicht nur Sängerinnen und Sänger sind in der Weihnachtszeit in diesem Sinne unterwegs, auch viele Posaunenchöre halten diese Tradition wach und spielen in den Tagen vor Weihnachten in den Straßen. Denn auch die Wurzeln der Posaunenchöre liegen in den volksmissionarischen Bemühungen des 19. Jahrhunderts, als der Pfarrer und Mitarbeiter Friedrich von Bodelschwinghs in Bethel, Johannes Kuhlo - eine durchaus schillernde Figur - begann, mit den Diakonen der Bodelschwinghschen Anstalten die ersten Posaunenchöre zu bilden.

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Aktualisiert: 12.05.2016
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